Match: SL Benfica – Heart of Midlothian

Wettbewerb: 3. Qualifikationsrunde UEFA Europa League 2026/2027

Zuschauer: 60.776

Benfica und Hearts trafen zum Hinspiel der dritten Qualifikationsrunde zur Europa League aufeinander. Für den schottischen Fast-Meister Hearts etwas ganz besonderes, für SLB hingegen eine Pflichtaufgabe.

An- und Abreise

Lissabon ist eine wunderschöne Stadt. Es lohnt sich, sie auch abseits des Stadions zu erkunden. Der Flughafen ist angenehm zentral gelegen und bestens an die U-Bahn angebunden – wer hier hin fliegt, ist schnell in der Stadt. Das ist besonders gut, wenn man am Tag des Spiels erst anreist und noch ein Hotelzimmer beziehen muss. Lissabon ist eine internationale Stadt und an Touristen gewöhnt, mit Englisch kommt man grundsätzlich sehr weit.

Das Estadio da Luz befindet sich im Nordwesten der Stadt. Es ist aus der Innenstadt auf vielfältigen Wegen zu erreichen. Busse übernehmen den Job genau so wie die U-Bahn. In Lissabon gibt es vier U-Bahn-Linien, die nach den vier Grundfarben geordnet sind und alle Himmelsrichtungen verbinden. In den Nordwesten der Stadt zum Estadio da Luz fährt die blaue Linie „Azul“. Die Haltestelle Alto dos Moinhos befindet sich in unmittelbarer Stadionnähe. Hier auszusteigen, ist auch aus atmosphärischen Gründen sinnvoll. Dazu aber später mehr. Die Anreise mit der Bahn ist jedenfalls nicht nur aus verkehrstechnischen Gründen zu empfehlen, sondern auch weil man auf diesem Wege deutlich mehr Atmosphäre rund um das Spiel aufsaugen kann. Lissabon verfügt darüber hinaus über ein ordentlich ausgebautes Radwegenetz.

Nach dem Spiel fahren die Bahnen bis in die Nacht hinein, Betriebsschluss bei den Lissaboner U-Bahnen ist um 21 Uhr. Entgegen vieler anderslautender Behauptungen ist für die U-Bahn in Lissabon keine „navegante“-Karte mehr erforderlich. Diese Karte für den Zugverkehr funktioniert zwar auch dort, das Ein- und Auschecken aus der U-Bahn ist jedoch auch mit einer einfachen Kreditkarte möglich. Es lohnt sich trotzdem, sich eine navegante an einem der zahlreichen Automaten (mehrsprachig) anzuschaffen, damit auch die oberirdischen Züge und die Busse benutzt werden können. Der Nahverkehr ist spottbillig, der Preis für jede Fahrt, egal wie lang und mit welchem Verkehrsmittel, ist bei einem Maximum von 2€ gekappt. Lästig ist lediglich, dass die Karte immer an Automaten wieder aufgeladen werden muss, wenn das zuvor aufgeladene Guthaben aufgebraucht oder ein Tagesticket abgelaufen ist.

Stadion

Das Estadio da Luz gehört zu den größten Stadien Europas. Hier fand das EM-Finale 2004 statt, 2014 auch das Finale der Champions League. Das WM-Finale 2030 wird es jedoch wohl leider nicht nach Lissabon schaffen. Insgesamt fasst die Arena 68.100 Zuschauer.

Das Stadion ist – obwohl mittlerweile auch schon 23 Jahre alt – ein hochmoderner Komplex, der neben dem Stadion auch mehrere Fanshops, Catering und mehr vereint. All das ist auch bei Nacht und im Gewusel tausender Fans nach Abpfiff sehr übersichtlich organisiert. Überhaupt, das Catering ist in Ordnung. Viel mehr jedoch leider auch nicht. Es bilden sich bei Spielunterbrechungen schnell lange Schlangen an den nicht sehr üppig verteilten Imbissständen. In portugiesischen Stadien wird kein Bier ausgeschenkt, es stehen nur alkoholfreie Getränke zur Auswahl.

Bezahlt wird wie mittlerweile in ganz Europa üblich kontaktlos mit der Kreditkarte.

Atmosphäre

Die Atmosphäre in Lissabon ist ganz anders als bei uns im mittel- bis nordeuropäischen Raum. Es gibt zwar eine „Fankurve“, so eine richtige organisierte Fanszene blieb allerdings beim Spiel aus. Keine Trommeln, keine Fahnen – aber dafür ein Stadion, das in Gänze bei jeder Situation mitgegangen ist. Der so oft bediente Stereotyp vom „heißblütigen Südländer“ konnte von den Zuschauern auf den Rängen zumindest nicht widerlegt werden. Obwohl es nur ein Qualifikations-Hinspiel war, waren die Zuschauer allesamt elektrisiert. Alle machten mit, alle liebten „SLB“.

Ein bisschen schade ist, dass auch in diesem Stadion der Gästeblock unter das Dach verfrachtet wurde. Die Schotten konnten somit nicht ganz ihre Lautstärke ausspielen. Die Sitzplatzkarte für den Unterrang kostete bei diesem Spiel 35€.

Doch viel elektrisierender als die Stimmung im Stadion ist die Stimmung davor. Direkt am U-Bahn-Ausgang erstreckt sich eine gut hundert Meter lange Meile mit Essen, Getränken, Musik und allem, was man sich vorstellen kann. Hier trifft sich der Benfica-Fan und hier bereitet er sich kulinarisch auf das Spiel vor. Sagres, Spieße, Burger, Fisch – hier gibt es alles, was das Herz begehrt. Wer zu Benfica fährt, muss hier gewesen sein.

Spielverlauf

Vor Beginn war klar: Benfica ist die Mannschaft, die hier etwas zu verlieren hat, Hearts kann nur gewinnen. Man weiß, wie solche Spiele laufen können. Hier lief es aber ganz anders. Bereits nach 3 Minuten stellten die Gastgeber auf 1:0. Nach Silvas Führungstreffer erhöhte zunächst Araujo auf 2:0, dann traf vor der Pause noch Pavlidis per Elfmeter zum 3:0. Die Messe war nach einer Halbzeit bereits gelesen.

Hearts tauschte vier Mal, musste aber nach einer guten Stunde das 4:0 schlucken. Immerhin gelang Tom Renaud noch der Ehrentreffer zum 4:1, bevor die eingewechselten Duran und Schjelderup in den letzten Minuten noch auf 6:1 stellten – der Endstand.

Fazit

Lissabon ist eine wunderschöne Stadt, Portugal ein wunderschönes Land. Wer mehr als einen Tag Zeit hat, fährt ein paar Kilometer weiter an den Atlantik und macht sich eine schöne Zeit. Und wer es lieber städtisch mag, findet in der Altstadt mehr Gelegenheiten zum Sagres trinken, als er an einem Abend schaffen kann.

Zu Benfica zu fahren ist etwas besonderes. Nicht nur ist es der zweitgrößte Fußballverein der Welt, es ist auch eine wahre Freude mit den Portugiesen zu essen, zu trinken und zu feiern. Eine elektrisierende Stimmung, bei der jeder Fan mit dem Herz dabei ist, innerhalb und außerhalb des Stadions – das ist Fußball.